Der wahrscheinlich modernste Milchviehstall Österreichs

„Besser sein als der Durchschnitt.“ Dieses Motto lebt Markus Gruber im wahrscheinlich modernsten Milchviehstall Österreichs. Der 27-jährige Fleckviehzüchter aus St. Georgen am Walde vereint Robotertechnologie mit dem Tierwohl seiner 70 Milchkühe: Luft, Licht und Platz waren die drei Leitgedanken für den Neubau des Freilaufstalls im Mühlviertel. Was man unter „Landwirtschaft 4.0“ versteht, bringt hier auf 700 Meter Seehöhe täglich bis zu 2.500 Liter Frischmilch.

Seit Anfang 2019 ist eingestallt.

Markus und seine Eltern Josef und Rosa haben viel Zeit in die Planung investiert und das Motto: „Kosten optimieren, Arbeitszeit minimieren“ optimal umgesetzt. Die Flexibilität im Zeitaufwand ist ihnen sehr wichtig und daher haben sie viele maschinelle Stallhelfer: Melkroboter (Astronaut A5), Entmistungsroboter (Discovery Collector), Güllerührwerk, Kraftfutterversorgung, Lüftung, Beschattung, Videoüberwachung, Notstromversorgung und den Fütterungsroboter (Vector). All diese Maschinen hat er per APP im Überblick und kann steuernd eingreifen.

Automatisierung und Technik müssen immer arbeitswirtschaftlich sein, daher ist das Stallprojekt auch genau kalkuliert. Das heißt der Stall ist auf 20 Jahre mit 37 Cent Milchkosten gerechnet. Zurzeit ist der Milchpreis gut, aber ab einem Preis von 32 Cent würde es problematisch werden. Die Arbeitszeiten sind mit 60 Arbeitsstunden pro Woche für alle drei Betriebsführer inkl. Haushalt ebenfalls berücksichtigt. Wenn jemand ausfällt muss eine Person morgens und abends mit zwei Stunden Arbeitszeit die Stallarbeit erledigen können. Damit das gelingen kann, sind die Roboter mit am Werk. Das ist das Ergebnis jahrelanger Planung am besten Stallsystem.

Markus Gruber hat an der HLBLA St. Florian im Jahr 2011 maturiert und sich nach dem Bundesheer um einen außerlandwirtschaftlichen Teilzeit-Job umgeschaut: vier Jahre in der Werbebranche in Linz als Inseratenverkäufer, fast zwei Jahre als Disponent bei einer Stalltechnikfirma in Enns. „Dann war für ihn klar, er will Landwirt und Viehzüchter sein. Mit seinen Eltern hat er die Neuausrichtung umgesetzt. Heute ist Markus Jungzüchterobmann im Rinderzuchtverband Oberösterreich, als Preisrichter gefragt zwischen Ried („Fest der Kuh“) und Ilshofen in Baden-Württemberg („RBW-Schau“), als Bauernbund-Obmann und als Gemeinderat in vollem Einsatz. Die Ehrenämter bezeichnet Gruber als sein Hobby und Netzwerk, die Jungzüchter sind seine Leidenschaft. Der schönste Erfolg heißt „Pinguin (Vater: Perfekt)“, der Fleckviehstier aus dem Hause Gruber steht seit Jänner 2019 in der OÖ. Besamungsstation Hohenzell.

Mit einem Betriebswirtschaftskonzept der Landwirtschaftskammer, mehreren Planungsvarianten aus der Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landes Oberösterreich inklusive Förderungsabwicklung und dem eigenen züchterischen Fachwissen entstand „ein Tierwohlstall für die nächsten 20 Jahre“, so Markus Gruber. Licht, Luft und Platz sind die drei Kenngrößen. Beispielsweise ist pro Liegebucht ein Fressplatz kalkuliert, die Laufgänge sind breiter bemessen, die Luftzirkulation großvolumiger angeordnet. Die Gesundheit der Tiere ist für Familie Gruber das wichtigste, das Tier steht im Mittelpunkt.

Der lasergesteuerte Kran schaufelt Silage vom ersten Haufen der Hocheinfahrt in den Abwurfbehälter. Flüsterleise ist es im Stall, alle computergesteuerten Maschinen fahren mit Akku-Antrieb, der Strom dafür soll in absehbarer Zeit aus einer hofeigenen PV-Anlage kommen. Alleine in der Fütterung haben sie den Energie-Einsatz auf ein Viertel reduziert. Zahlen und deren Analyse gehören für Markus fix zur Managementaufgabe, für die nun Zeit ist, da die reine Arbeitszeit im Stall weniger geworden ist. Nach Zahlen funktioniert auch der Lely Vector Fütterungsroboter: überall, wo weniger als vier Zentimeter Futter liegen, wird der Futtertisch wieder aufgefüllt. Die Kühe kommen drei bis fünf Mal pro Tag in den Melkroboter, dort gibt es eine kleine Kraftfuttergabe als Belohnung. Per Handy kann Markus den neuen Entmistungsroboter Lely Discovery Collector steuern, dieser sammelt wie ein überdimensionaler Sauger Urin, Kot und die aus separierter Gülle erzeugte Einstreu der Liegeboxen ein. Für heiße Tage führt der Mistroboter Wasser zum Aufschwemmen mit, an kalten Tagen hält eine Fußbodenheizung in den Gängen das Sammelgut flüssig. Ist der Behälter voll, fährt der Roboter über den Schacht der Güllegrube und entleert den Mist.

Seine Entscheidung als Vollerwerbsbauer im Mühlviertel lebt Markus mit Freundin Katharina. Die Freude am Beruf und die Leidenschaft dahinter sind die Antriebskraft für dieses außerordentliche Stallsystem.

Fotos und Videos dieses Projekts

Top