Forschung zu Lahmheit [1/3]

Das Programm Efficient Deep Learning (EDL)1 bringt holländische akademische und industrielle Partner bei der Erforschung effizienten Lernens und effizienter Datenverarbeitung für industrielle Anwendungen zum ‚tiefen Lernen‘ zusammen. Lely ist ein Integrator des EDL-Programms und arbeitet mit Forschern der Universität Wageningen zusammen, um maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz auf die automatische Lahmheitserkennung von Kühen durch Videoüberwachung anzuwenden.

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Ein Lahmheit könnte Dich viel Geld kosten

Lahmheit ist ein erhebliches Gesundheits- und Tierwohlproblem in der modernen Milchviehwirtschaft. Sie ist keine Krankheit an sich, sondern vielmehr der Ausdruck einer latenten (Klauen-) Krankheit oder Entzündung. Lahmheit zeichnet sich durch einen abnormalen Gang aus, der das Resultat von Schmerzen ist, die sich meistens (in 99% der Fälle) im Fuß befinden.  
Lahme Kühe haben Schmerzen, sind in ihrem natürlichen Verhalten eingeschränkt und können weniger gut laufen, um den Roboter oder das Fressgitter zu erreichen. Wenn Kühe ihre biologischen Bedürfnisse nicht erfüllen können, geht die Produktion zurück. Jedoch sollte man keinesfalls die Auswirkung längerer Melkintervalle unterschätzen, wenn die Kuh nicht zum Roboter geht!
Klauen- und Fortbewegungsprobleme haben einen multifaktoriellen Hintergrund. Die Forschung der letzten 20 Jahre weist eine ganze Reihe von Ursachen auf, die grob in Umweltfaktoren (z.B. Unterbringung, Ernährung, Management) und tierbezogene Faktoren (z.B. Rasse, Produktion) aufgeteilt werden können. In den späten Siebzigerjahren nahm das Auftreten von Lahmheit und Klauenkrankheiten bei Milchkühen mit der Einführung von Liegeboxenlaufställen mit Betonböden zu. Heute wird die Mehrheit der 1,5 Millionen Milchkühe in den Niederlanden in Boxenlaufställen mit Spalten- oder planbefestigten Böden aus Beton gehalten. Bei einer solchen Haltung leiden mehr als 80% der Milchkühe mindestens einmal zu irgendeinem Zeitpunkt an einer Klauenkrankheit. Wenn Kühe in Ställen mit Stroh- oder Kompostböden untergebracht werden, gehen diese Zahlen schnell zurück.

Mit einer Lahmheit verbundene Kosten

Lahmheit wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden der Kühe aus. Wenn sie übersehen wird, kann Lahmheit erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den Betrieb haben. 2016 wurden die Kosten pro Lahmheitsfall in den Niederlanden auf 93 Euro geschätzt (Di Giacinto Villalobos et al. (2016). Mit einer Lahmheit sind direkte und indirekte Kosten verbunden. Indirekte Kosten bestehen aus einem Rückgang des Milchertrags und der Fruchtbarkeit. Direkte Kosten decken die Behandlung durch einen Tierarzt, zusätzliche Arbeit für die Betriebsmitarbeiter und frühe Abgänge ab (László Ózsvári 2017). Wenn Kühe Schmerzen haben, erhöht sich ihre Stressbelastung, was zu einem geringeren Milchertrag und einer schlechteren Milchqualität führt. Lahme Kühe liegen länger und ihre Futteraufnahme ist kürzer und weniger häufig, was ebenfalls zu einer geringeren Milchleistung führt. Je nach Fall kann der Verlust der Milchleistung bis zu 7% betragen. Außerdem muss die Milch der Kühe entsorgt werden, wenn sie mit Antibiotika behandelt werden. Im Durchschnitt macht dies 2,5% der Laktation aus. Lahmheit kann das Abkalbeintervall um 9 bis 20 Tage verzögern und Trächtigkeitsraten verringern. Die Behandlung der Lahmheit schließt die Kosten für den Tierarzt, die Kosten für die Medikamente und die zusätzliche Arbeit der Mitarbeiter ein. Schließlich schwächt eine Lahmheit auch das Immunsystem und erhöht die Chance einer Erkrankung oder eines frühen Abgangs. 

Sowohl für das Wohlbefinden der Kühe als auch für den Geldbeutel des Landwirts ist es wichtig, Lahmheit zu verhindern und so früh wie möglich zu entdecken. 
Um Lahmheit zu verhindern, müssen wir verstehen, wie und warum sie entsteht. Dies wird in unserem zweiten Artikel besprochen: „Lahmheit bei Milchkühen: warum tritt sie auf?“
Die Erkennung von Lahmheiten kann von menschlichen Beobachtern oder von automatischen Systemen vorgenommen werden. Wir werden die Erkennungslösungen und zukünftige Innovationen in unserem dritten und letzten Artikel ausführen: „Lahmheit bei Milchkühen: so entdeckt man sie“.

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