Automatisches Melken und Weidegang: zwei Trends in der Milchviehhaltung, die Ihnen auf den ersten Blick nicht vereinbar scheinen? Wir waren auf Besuch bei der Familie Piront aus Amel (Belgien), die uns gezeigt hat wie es geht.

Interessante Fakten vom Bio-Betrieb Piront

Erst vor 5 Jahren (Mai 2015) hat die Familie Piront ihren 3-Mann-Betrieb auf Bio umgestellt. Um der dazugehörigen Weidepflicht bestmöglich nachzukommen, hat sie kurz darauf in einen neuen Stall auf der gegenüberliegenden Straßenseite investiert. Dieser neue Stall stellt der zentrale Mittelpunkt der umliegenden 50 ha Weide dar, und wurde vor gut zwei Jahren (November 2017) in Betrieb genommen. Mit zum Inventar gehören seither unter anderem zwei Lely Astronaut A4 Melkroboter. „Das jahrelange Melken ging Johann an die Substanz. Außerdem war es schwierig Leute zu finden, die diesen knochenharten Job erledigen wollten. Da wurde uns schnell klar, dass die Investition in einen Melkroboter die Lösung ist!“, erzählt uns Gerhard.

Gleichzeitig hat die Familie Piront auch in eine Lely Grazeway, eine automatische Selektionsbox die Weidehaltung in Kombination mit einem Melkroboter ermöglicht, investiert. Der Blick auf die erfolgreichen Zahlen des Betriebes Piront bestätigt, dass solch eine Kombi funktioniert! 127 Bio-Kühe der Rassen Holstein und Montbéliarde, eine Zweinutzungsrasse mit optimierter Milchleistung, geben hier im Durchschnitt 31kg Milch pro Tag, und somit lag die Jahresmilchleistung pro Kuh im April 2020 bei 8.550kg. An dieser Stelle ist es noch wichtig zu erwähnen, dass die Abkalbungen sich auf das ganze Jahr verteilen. Außerdem, beträgt der durchschnittliche Fett- und Eiweiß-Jahresgehalt jeweils 4,13% und 3,39%, und auch die jährliche Zellzahl bewegt sich stabil in einem Bereich von 100.000 bis 140.000.

Weidegang auf dem Betrieb Piront

 „Im Gegensatz zu meinem Sohn Sebastian und meinem Bruder Johann, war ich anfangs noch sehr skeptisch“, gibt Gerhard zu. Von dieser anfänglichen Skepsis ist jedoch nichts mehr übrig. Auch wenn die mit Mais gefütterten Kühe einfacher sauber zu halten sind, überwiegen doch die Vorteile des Weideganges. „Früher war der Maisanteil pro Ration zu hoch. Im Grunde hat man überfüttert“, erklärt uns Gerhard. „Außerdem musste man Eiweiß hinzukaufen, und dabei ist dieses im Gras vorhanden!“ Hinzukommt, dass die Familie Piront fast wieder ihre alte Vor-Bio-Milchleistung erreicht hat, und dies mit weitaus weniger Aufwand. Einer der wohl wichtigsten Vorteile ist zudem die Senkung der Futterkosten. „Wir greifen jährlich nur noch auf 1.100-1.200kg Kraftfutter pro Kuh zurück, der Rest ist Gras in den Sommer-Monaten und Grassilage im Winter“, teilt uns Gerhard stolz mit. „Für mich ist ganz klar Grundfutter die Voraussetzung für gute Milchqualität!“

Die Weideperiode dauert auf dem Betrieb Piront zirka 7 Monate an, wobei die Vollweideperiode im Mai beginnt und im September endet. Bezüglich der Weidepflege, macht die Familie Piront einen Reinigungsschnitt nach 2-3 Weidepassagen, und pressen hinterher Rundballen. Des Weiteren greifen sie sowohl auf regelmäßige Kalkung zur Bodenverbesserung als auch auf ein bisschen Düngemittel Kainit (Natursalz) im Frühjahr zurück. Ansonsten wird noch die eigene Gülle zum Düngen benutzt.

Welches System wendet die Familie Piront an?

Inspiration hat sich die Familie Piront in Irland und Neuseeland, beide Vorreiter von Vollweidesysteme, geholt. Während sie anfangs noch mit einem sogenannten AB-System mit zwei Weideblöcken starteten, haben sie mittlerweile schon auf ein ABC-System mit drei ungefähr gleichgroßen (zirka 15-20 ha) Weideblöcken umgestellt. „Hierbei war die kompetente Beratung von Jean-Marie (Mitarbeiter vom Lely Center Urspelt) sehr hilfreich! Auf keinem der besuchten Betriebe wurde nämlich solch ein ABC-System angewendet. Es war also im Grunde eine Premiere.“, erklärt uns Gerhard. Die wohl  größte Herausforderung war es den Kühen einen schnellen und unkomplizierten Wechsel zwischen den verschiedenen Blöcken, aber auch innerhalb deren dazugehörigen Parzellen, zu ermöglichen ohne die anderen Feldweg-Nutzer zu stören. Auf dem Betrieb Piront wurde diese mit der Errichtung von insgesamt 4 Tunnels gemeistert. Mithilfe von diesen Unterführungen und den nachhaltig angelegten Wegen aus Folie und einer Schicht Hackschnitt, erreicht jede einzelne Gruppe von Kühen alle Parzellen des zugeteilten Weideblocks ohne sich untereinander zu kreuzen.

Ziele des Betriebes Piront

In erster Linie hat sich die Familie Piront zum Ziel gesetzt das aktuelle Niveau zu halten. Bei solch beeindruckend guten Ergebnissen fällt es einem auch nicht schwer dies nachzuvollziehen. Des Weiteren, planen sie mehrere Hecken entlang der Wege zu pflanzen. Laut ihnen unterschätzen viele deren Vorteile, weil die Nachteile bezüglich der Landwirtschaftsmaschinen dominieren. „Der daraus gewonnene Windschutz beugt Austrocknung vor und schützt zudem vor Kälte. Außerdem ist der Zaun besser geschützt, und die Natur dankt es einem obendrauf auch noch!“, erklärt uns Gerhard.

Fotos und Videos dieses Projekts

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